Kardätsche richtig führen: Strichrichtung, Druck und Reihenfolge
KI-generierte Darstellung (Symbolbild)
Titelbild: KI-generierte Darstellung (Symbolbild)
Welche Kardätsche du auch in der Hand hast - wie sie über das Fell geht, entscheidet am Ende über das Ergebnis. Mit ruhigen, gleichmäßigen Strichen in die richtige Richtung, passendem Druck und einer klaren Reihenfolge holst du Staub zuverlässig aus dem Fell, statt ihn nur zu verteilen. Und dein Pferd spürt, dass hier jemand mit Ruhe und Sorgfalt arbeitet. In diesem Beitrag geht es nicht um die Wahl der Bürste, sondern um die Technik am Putzplatz: halten, führen, ausstreifen.
Die Kardätsche richtig halten
Schiebe deine Hand unter die Handschlaufe, sodass die Kardätsche flach in der Handfläche liegt. Die Schlaufe sollte locker genug sitzen, dass du nicht klammern musst, und fest genug, dass die Bürste bei längeren Strichen nicht verrutscht. Dein Handgelenk bleibt dabei möglichst gerade. Die Bewegung kommt aus dem Arm und der Schulter, den Druck holst du dir über dein Körpergewicht, nicht über ein angespanntes Handgelenk.
Bewährt hat sich: Auf der linken Seite des Pferdes führst du die Kardätsche mit der linken Hand, auf der rechten Seite mit der rechten. In der anderen Hand hältst du den Striegel bereit, an dem du die Kardätsche zwischendurch ausstreifst. Stell dich seitlich neben dein Pferd, etwa auf Höhe der Schulter, mit leicht gebeugten Knien. So kannst du dich mit dem Körper in den Strich lehnen und stehst trotzdem sicher, falls dein Pferd einen Schritt zur Seite macht.
Mit dem Haar: Strichrichtung und Rhythmus
Die Kardätsche arbeitet immer mit der Wuchsrichtung des Haares. Schau dir das Fell vorher kurz an: Am Hals läuft das Haar meist schräg nach unten, an der Schulter und an der Kruppe bildet es Wirbel, an den Flanken wechselt die Richtung oft. Folge diesen Linien, auch wenn das bedeutet, die Richtung mehrmals zu ändern.
Setze die Bürste flach auf und führe sie in langen, ruhigen Strichen über eine Länge von etwa einer Handspanne oder etwas mehr. Am Ende des Strichs hebst du sie in einer kleinen Bogenbewegung ab. Dadurch wird der gelöste Staub aus dem Fell gehoben und nicht wieder hineingedrückt. Ein gleichmäßiger Rhythmus ist wichtiger als Tempo: Hektisches Hin- und Herwischen wirbelt Staub nur auf, während ruhige Striche ihn mitnehmen.
Arbeite dich in Bahnen vor, die sich leicht überlappen. Beginne am Hals hinter dem Ohr, arbeite über Schulter, Brust und Vorderbein zum Rumpf, dann über Rücken und Flanke bis zur Kruppe und zum Hinterbein. Danach wechselst du die Seite und gehst genauso vor.
Druck je nach Körperpartie
Nicht jede Stelle verträgt denselben Druck, und nicht jedes Pferd mag es gleich. Lass dich vom Körperbau und von den Reaktionen deines Pferdes leiten. Ein entspannter Hals, ein gesenkter Kopf oder ein zufriedenes Abschnauben zeigen dir, dass Druck und Tempo passen. Zuckt dein Pferd, legt die Ohren an oder weicht aus, nimm sofort Druck heraus.
Hals, Schulter, Rumpf und Kruppe
Auf den bemuskelten Flächen kannst du mit gleichmäßigem, etwas festerem Druck arbeiten. Lehne dich leicht in den Strich, sodass die Borsten bis zur Haut durch das Deckhaar kommen. Gerade bei dichtem Fell lohnt es sich, hier in Ruhe Bahn für Bahn vorzugehen. Auf dem Rücken und in der Sattellage achtest du darauf, dass kein Staub und keine Haare zurückbleiben, bevor die Schabracke aufgelegt wird.
Feine Partien: Kopf, Bauch, Beine
An Kopf, Bauch, Gurtlage, Innenschenkeln und Beinen gilt: weniger Druck, mehr Gefühl. Hier liegen Knochen und Sehnen dicht unter der Haut, und viele Pferde sind an diesen Stellen kitzelig. Führe die Kardätsche hier nur mit dem Eigengewicht der Bürste oder greife zu einer kleineren, weichen Bürste. Am Kopf arbeitest du langsam und ruhig, eine Hand am Halfter oder am Nasenrücken, und sparst Augen und Nüstern aus. An den Beinen streichst du von oben nach unten und bleibst dabei seitlich neben dem Pferd, statt dich davor zu hocken.
Die Reihenfolge am Putzplatz: Striegel, Kardätsche, Finish
Die Kardätsche ist kein Werkzeug für groben Schmutz. Sie entfaltet ihre Stärke erst, wenn das Fell vorbereitet ist. Deshalb lohnt sich eine feste Reihenfolge.
- Striegel: Mit kreisenden Bewegungen lockerst du Schmutz, Schweißreste und lose Haare. Auf den bemuskelten Partien darfst du etwas mehr Druck geben, an den feinen Partien lässt du den Striegel weg oder arbeitest sehr behutsam.
- Kardätsche: Jetzt folgen die langen Striche mit dem Haar. Die Kardätsche nimmt den gelösten Staub auf und glättet das Deckhaar.
- Finish: Zum Schluss sorgt eine feine, weiche Bürste oder ein sauberes Tuch für den letzten Schliff. Damit glättest du das Fell und nimmst feinen Reststaub ab.
Mähne, Schweif und Hufe kommen je nach Routine davor oder danach. Wichtig ist nur, dass du die Kardätsche nicht auf ein nasses oder stark verschmutztes Fell ansetzt. Getrockneter Matsch wird zuerst gelockert, nasses Fell lässt du erst abtrocknen.
Zwischendurch am Striegel ausstreifen
Nach drei bis vier Strichen ist die Kardätsche voller Staub und Haare. Ziehe sie dann ein- bis zweimal quer über die Zähne eines Striegels, den du in der anderen Hand hältst. So bleiben die Borsten aufnahmefähig, und du trägst den Staub nicht von einer Stelle zur nächsten. Den Striegel klopfst du von Zeit zu Zeit aus, am besten auf dem Boden oder an einer Kante, ein Stück vom Pferd entfernt und nicht in Richtung Kopf.
Dieser kleine Handgriff macht einen großen Unterschied zwischen einem nur glatt gestrichenen und einem wirklich sauberen Fell. Wenn nach dem Ausstreifen kaum noch Staub am Striegel hängt, ist die Partie fertig und du kannst weiterziehen.
Beim Putzen hinschauen
Die ruhigen Kardätschenstriche sind eine gute Gelegenheit, dein Pferd mit Händen und Augen abzutasten. Achte auf warme Stellen, Schwellungen, Krusten, kahle oder gescheuerte Stellen und auf Bereiche, an denen dein Pferd plötzlich anders reagiert als sonst. Über solche Stellen bürstest du nicht hinweg. Wenn dir etwas auffällt oder dein Pferd an einer Stelle deutlich abwehrt, lass das von deinem Tierarzt ansehen.
Zum Schluss klopfst du die Kardätsche aus und legst sie mit den Borsten nach unten an einen luftigen Platz. Dann ist sie beim nächsten Putzen sauber und einsatzbereit. Mit der Zeit wird die Technik ganz selbstverständlich: halten, mit dem Haar streichen, Druck anpassen, ausstreifen. Und genau darin liegt die Ruhe, die das tägliche Putzen zu einem gemeinsamen Moment mit deinem Pferd macht.
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